In einer Zeit des Ärztemangels sehen sich Kliniken bei ihrer Organisation vor sich wandelnde Aufgaben gestellt. Die Schwierigkeiten, die für Kliniken bei der Besetzung von Schicht- und Bereitschaftsdiensten, von Ambulanzen, Schwerpunktsprechstunden, Funktions- und Operationseinheiten heute bestehen, zeigen, dass der Ärztemangel inzwischen auch für attraktive Kliniken relevant ist. Auch die Frauenheilkunde sieht sich in besonderer Weise diesen Herausforderungen gegenüber. Mehr als 60% der Studienanfänger im Fach Humanmedizin sind weiblich; der Anteil ist stetig ansteigend. In der Frauenheilkunde liegt der Anteil der weiblichen Ärzte in Weiterbildung bei etwa 80%, bei Fach- und Oberärzten ist die Geschlechterverteilung annähernd gleich. Der Anteil der leitenden Oberärztinnen liegt noch bei 34%, Ärztinnen in Leitungsposition, Chefärztinnen und Klinikdirektorinnen einer Universitätsfrauenklinik gibt es weniger als 10%. Selbst im Bereich der Forschung entspricht der Frauenanteil (20% vs. 80% abgeschlossene Habilitationen) nicht dem der Berufsanfänger. Wieso finden sich so wenige Frauen in höheren Positionen? Anfangs sind Frauen prozentual überdurchschnittlich vertreten, dann wandern sie ab, wie an der Zahl nichtbesetzter Stellen deutlich wird. Vom Marburger Bund wurden in einer 2010 durchgeführten Umfrage 12.000 offene Arztstellen in Krankenhäusern und Universitätskliniken ermittelt. Vor allem Frauen verlassen offensichtlich die Kliniken und sind in alternativen medizinischen Feldern oder fachfremden Bereichen tätig. Diskutiert werden Probleme bei der Klinikorganisation sowie die Risiken und mögliche Lösungsansätze.